Tage wie diese…

Jagdtagebuch, 04.07.2014

Nicht nur Fußballspiele, wie das heutige Viertelfinalspiel Deutschland gegen Frankreich machen glücklich…Glückwunsch Jungs.

Jagdlicher Hochgenuss bot sich für mich auch am gestrigen Tag. Auf dem Weg zum Jagdfreund hielt ich kurz an einer Wiese und beobachtete einen Landwirt beim Wiesenmähen. Der moderne, grüne Traktor mit dem Kreiselmäher zog im atemberaubenden Tempo seine immer enger werdende Kreisbahn. Die Möwen und Rabenkrähen flogen schon über dem Treiben oder wartenden auf den umliegenden Bäumen auf ihr Festmahl.

Die Felder zeigen schon jetzt ein reifes Bild. Die Gerste wartet schon auf die Drescher und der Raps wird bald folgen. Weizen und der Mais haben gern noch Zeit. Verkündigen Ihre Ernten doch das Ende des Sommers.
Zurück zum Jagdfreund. Bei ihm angekommen, fahren wir mit seinem Auto ins Revier. Zwei neue Kombinierte begleiten uns. Es gilt einen Drilling und eine Bockbüchsflinte auf die Probe zu stellen.
Bevor ich die Hasenscheibe auf einem Sandhügel platziere, entschließen wir uns einen Wechsel im nahen Weizenfeld anzusehen. Gerade an der Weizenkante angekommen, erkenne ich im Augenwinkel auf 60 Schritte einen alten Rehbock. Dunkle, dicke Stangen und ein breiter Träger verraten seine Qualität. Ein kurzer Stups zum Beständer, der den Bock noch nicht gesehen hat. Eingespielt geht es zurück zum nahen Auto. Er holt die Büchse samt Zielstock und ich die Kamera mit eben diesen. Zurück zur Einfahrt und er steht tatsächlich noch da, vielleicht geblendet von der tiefstehenden Sonne, nimmt er von uns keine Notiz.
Dann geht es schnell. Der gute Schütze kommt gut ab und der Bock liegt im Knall. Beim Alten angekommen, freuen wir uns gemeinsam. Ein Erntebock mit erlensaftgebeizten Stangen und fünf Enden. Waidmannsheil.
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Nach dem Versorgen geht es zum Probeschießen. Auch das klappt, so kann es zum gedachten Ansitz gehen.
Anschießen
Ich sitze in einer geschlossenen Eiderheimkanzel direkt an einer Wiese. Im Rücken ein Raps- und Weizenfeld. Der Entfernungsmesser der Firma Walter verrät 400 Meter bis zum Wald im Kanzelvordergrund. Ich mag technische Spielereien und beim Anpeilen von markanten Geländepunkten werde ich das ein oder andere Mal von der Weite überrascht.
Plötzlich tritt links von mir eine Ricke mit einem Kitz aus. Glücklich über die erste Möglichkeit, filme ich das Geschehen. Und frage mich, wie es wohl dem im Mai geretteten Bockkitz geht.
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Später gesellen sich eine weitere Ricke, ein Schmalreh und ein starkes Kitz dazu. Alles friedlich, ruhig und entspannend.
Ricke mit Kitz
Bis ein jugendlicher Rowdy die Fläche betritt und die versammelte Mädchenmannschaft aufmischt. Ja, die Böcke fangen an zu treiben, dachte ich. Gestärkt und feist, geht es in die Hochzeitsvorbereitungen. Nun war ich nicht nur zum Filmen da und die Freigabe passte auf diesen Jüngling, wenn er doch näher kommen würde. Der Entfernungsmesser gab 180, 160, 120, 108 Meter an, bis ich mich langsam zum Schuss fertig machte. Eine Büchse mit Handspannung mit einem Glas der Spitzenklasse stand mir zur Verfügung. Dreipunktauflage, Abzugskontrolle, Atmung…Schuss. Der Bock liegt im Knall.
Ein Schmalreh zieht kurz nach dem Schuss in Richtung des Bockes und legt sich keine 20 Schritt daneben ab. Bilder, die man nicht vergisst. Die Deutungen für dieses Verhalten sind sicher unterschiedlich. Ich meine dazu, dass sich die Ruhe nach dem Knall bewährt. Für das Schmalreh geht so das Leben weiter.

Kurz vor dem Abbaumen raschelt es rechts von mir im Rapsfeld und ein junger Enok betritt die Bühne. In Schrotschussentfernung kommt die Bockbüchsflinte zu ihrem ersten Einsatz. Die Garbe lässt ihn sofort verenden.
Tage wie diese…An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit. An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit; wünsch ich mir Unendlichkeit.

Waidmannsheil Euer Dreispross

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