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Jagdtagebuch, 04.Mai 2016

Hallo Jagd- und Naturfreunde,

könnt Ihr Euch noch an den Jungjäger vom letzten Tagebucheintrag erinnern? Der, der sich seine Zeit nahm.
Gestern Abend ging es zu einem erneuten Versuch. Das Wetter war tagsüber regnerisch, kalt und windig. Am Abend klarte sich das Wetter auf und die Sonne setzte sich durch.

Der Jungjäger lud das Magazin mit der bleifreien RWS Hit.

Also wieder gute Vorraussetzungen, um den Jungjäger an seinen ersten Rehbock zu führen. Wir suchten uns eine große Wiese aus und mittig eine Ansitzeinrichtung, die Platz und Sicht bot. Der Wind passte und bereits beim Öffnen der Fensterklappen konnte wir einen Rehbock sehen, der in unsere Richtung zog.

„Das wird vielleicht ein kurzer Jagdabend.“, dachte ich und schaute auf den Jungjäger. Er sass, wie vorgegeben, lud seine Büchse und richtete sich ein. Ein wenig zu holprig dachte ich und sagte, „Atmen, atme zweimal tief ein.“. Erst irretiert, tat er mir den Gefallen und wurde sichtlich ruhiger.

Der Rehbock döste im Gras.

Der Rehbock döste im Gras.

Der Rehbock hatte sich unbeeindruckt und außerhalb einer angemessenen Schussentfernung niedergetan. Jetzt hieß es warten. Der Jungjäger genoss dabei den Anblick. „Er schläft ja richtig.“, sagte er. Genau, er döste in Schein der Sonne und ließ sich das Ganze förmlich durch den Pansen gehen.

Nach einer Stunde stand er auf, äste und bewegte sich weiter in unsere Richtung. Spannend war es, immer wieder nahm der Jungjäger den Bock ins Absehen und wartete auf das Signal. Zu weit stand er noch und das mögliche Anpirschen schied aus, da es für mich ein Meisterstück in der Jägerei ist.

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Der Jungjäger führt eine Heym SR 30.

Noch 50 Meter dachte ich, dann äugte der Bock plötzlich in Richtung Wald, lange bevor wir den zweiten Bock erblickten. Und wie sollte es anders sein, kam der Rehbock in langen Setzen auf „unseren Rehbock“ zu. Jungjäger…jetzt kann es schnell gehen!

Imponiergehabe, Stechschritt und kurzer Kampf mit Flucht. Das Ganze spielte sich in wenigen Sekunden, aber dann auch kurz direkt vor dem Ansitz ab. Scheibenbreit standen Beide, aber eben zu kurz für meinen Jungjäger. Da blieb er sich treu.

Jagdbüchse im Anschlag

Jagdbüchse im Anschlag

Beide liefen in den Wald und kurz darauf schreckten die Rivalen im Wald aus Einigkeit darüber, dass etwas Menschliches in der Nähe war. Nicht wir, sondern der Nachbar schien nicht weit zu sitzen.

Eine Chance blieb wieder ungenutzt und trotzdem schaute wir uns beide an und freute uns über diese Dynamik, die ich ankündigte und dann doch so überraschend kam.

Jagdfieber

Jagdfieber

Wieder warten. Dann wiederholte sich der ganze Abend. Unser Bock kam auf die Wiese und äste. Dann kam erneut der zweite Rehbock und die nächste Rangelei war im Gange.

Diesmal in idealer Schussentfernung. Der Schuß brach, als wir uns einig waren. Tiefblatt sitzt der Schuss. Deutlich zeichnend startet der Bock rasant. Jedoch nur kurz, denn nach zehn Metern brach er zur Seite und rührte sich nicht mehr.

Der Jungjäger hatte bereits repetiert. Sehr gut gemacht! Ein kräftiges Waidmannsheil schmettere ich ihm zu. Sehr gut gemacht!

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Sie sehen sich das Bild oder die Trophäe an und sind sofort in der Situation, fast wie mit einer Zeitmaschine. „Fremden“ fehlt dieser Zugang, weil sie nicht dabei waren. Sie profitieren aber wie der Erleger vom köstlichen Wildbret, einem hochwertigem Nahrungsmittel.

Und noch vor der Inbesitznahme seiner Beute freuten wir uns über den Jagdabend. Die Anspannung des Jungjägers fiel ab und ich versuchte seine Fragen zu beantworten. Nach einer Zeit gingen wir zu seinem ersten Rehbock. Ich dachte darüber nach, wie es bei mir war und ist… ein Moment aus Ehrfurcht, Angst, Stolz und Glücksgefühlen, weil alles gut gegangen ist.

Und natürlich ging das angewandte Lernen und Fortbilden bei der sich anschließenden Roten Arbeit weiter.

In diesem Sinne…Gruß & Waidmannsheil

Euer Dreispross

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