Jäger sein, mit einem Vorschuss an Vertrauen

Jagdtagebuch, 31.03.2015

Als Einzige in der Gesellschaft haben wir Jäger das Recht nach eigenen Gutdünken eine geladene  Waffe auf anderes, freies Leben zu richten. Das ist ein Vorschuss an Vertrauen.

…das sagte der Schriftsteller und Nachsuchenführer Seeben Arjes kürzlich in einem Vortrag auf einer Hegeringveranstaltung. Der Vortrag war für mich gelungen, weil eben jedes gewählte Wort „Hand und Fuß“ zu haben schien; soll heißen Arjes weiß offenbar, wovon er spricht und nicht nur ich habe aus seinen Worten hoffentlich dazu gelernt.

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Trophäenschauen und Hegeringveranstaltungen werden am Ende eines jeden Jagdjahres durchgeführt. Sie dienen der Rückschau auf die erbrachte Strecke an Schalenwild wie Reh- und Rotwild, die durch behördliche Abschusspläne vorgegeben werden, und erlegte männliche Wildtiere, die an ihren knochenartigen Auswüchsen (Trophäen) auf der Hauptpartie gemessen, bemitleidet oder bewundert werden. Dabei treffen sich die Revierbesitzer der Hegeringe wohl freiwillig zusammen.
Als Gast, der ich war, hat man durch die abgesetzte Position immer eine andere Draufsicht. Und wenn der überaus freundliche Hegeringleiter mindestens zehnmal ein gutes, kameradschaftliches Miteinander zum Wohle des Hochwildes einfordert, dann muss es wohl nicht vorhanden sein.

Anders verlief eine wohl einzigartige Veranstaltung am 28.März 2015 auf Gut Basthorst. Alljährlich feiern junge und junggebliebene Waidmänner, -frauen sowie deren Freunde den Ausklang des Jagdjahres am 31.03. und den Beginn der neuen Jagdperiode.

Das 4. Jägersilvester lockte 500 Gäste aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland an, um gemeinsame Zeit zu verbringen. Die Organisatoren (Team von jugendPROnatur, der Jugendorganisation des LJV Schleswig-Holstein) haben wohl ein richtiges Konzept, wie man Menschen zusammenbringt, die mit Freude & Freundschaften nach dem Ende der Veranstaltung nach Hause gehen.

Einzig die Vollmondphase sollte für die Veranstaltung verschoben werden. Ein voller Nachtansitz in der Mondphase fiel aus und die Wildkameras, als stille jagdliche Helfer, belegten die Ankunft des Schwarzwildes.
So hieß es natürlich in der Folgenacht bei Mond und Regen, dem typischen Sauenwetter, anzusitzen.Der Ansitz fiel kurz und ohne Beute aus. Das JÄGERSILVESTER steckte mir wohl noch in den Knochen. Ein Fehler, wie sich tags darauf auf den Bilder der Wildkameras erkennen ließ.

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Hochpassioniert und voller Zuversicht packte ich am gestrigen Abend die neue Berge- und Aufbrechhilfe von www.wildgalgen.de ein und fuhr gegen halb zehn ins Revier.

Eben zu der Kanzel, wo regelmäßig zwei Sauen kommen. Ein Großer und ein Kleiner, das war klar. Gerade jetzt ist die Geschlechter- und Altersfrage jedoch wichtig. Es ist gerade Jagdzeit für Frischlinge (Schwarzwild bis zu einem Jahr alt) und für Überläufer. Mehrjährige Keiler und Bachen sind zu schonen. Aber auch Frischlingsbachen könnten jetzt bereits Nachwuchs führen, also „gefrischt“ haben.

Die Aufnahmen der Wildkamera verraten dabei nicht nur den Ort und die Zeit der Anwesenheit von Wild, sondern auch das Geschlecht, das mutmaßliche Alter und die Anzahl der Kirrungsbesucher. Für mich eine absolute Hilfe, um bereits im Vorfeld für eine sichere Entscheidung bei der Schussabgabe gerüstet zu sein.
Zusammen mit Jagdfreunden hielten wir den größeren der beiden Wildschweine auf dem Bild der Wildkamera für einen Frischlingskeiler. Beim kleineren Stück waren wir uns nicht so sicher.

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Bereits beim Angehen der Kanzel hatte ich bei klarem Wetter und gutem Mondlicht Rehwild im Anblick, das unweit der Kirrung auf einem Gerstenfeld äste.
Das Primos-Dreibein an der Leiter angelehnt, stieg ich leise zur Kanzel hoch. Auf dem Podest angekommen, bemerkte ich Reineke, der in der Fahrgasse und dann unter der Kanzel in Richtung der Kirrung schnürte.

Es sind eben auch solche Momente, die mich glücklich machen und so öffnete ich mit einem Grinsen im Gesicht die Kanzeltür und richtete mich ein. Laut der Wildkamera kommt das Schwarzwild zwischen elf und zwölf Uhr.
Ein Traum von einer Mondnacht und sicher würde ich es lange aushalten. Im Himmel zogen wenige Wolken, die die Bühne kurz verdunkelten und mich aufmerksamer werden ließen. Gerade dann habe ich oft die Rotten ins Feld ziehen sehen.

Und genau in solch einem Moment gegen Mitternacht trat ein Stück Schwarzwild aus dem Forst auf eine Wiesenschneise, die direkt an die Feldfläche angrenzt. Das Wildschwein lief nochmal zum Wald zurück, um dann kurz darauf wieder in Richtung des Feldes zu ziehen.
Einzeln und nervös ziehend könnte es eine Bache sein und die wäre tabu. Später mittig auf dem Acker in circa 250 Metern Entfernung konnte ich gut die Statur des Einzelgängers sehen. Ein hoher Rücken, der nach hinten abfällt. Die Fellfarbe (Schwarte) hell, nicht schwarz. Das spräche für einen Frischlingskeiler, der wäre richtig. Das Stück bummelte an einem der Knicks weiter auf die Ackerfläche und brach genüsslich und immer in sicherer Entfernung auf der matschigen Ackerfläche nach Maisresten aus dem vergangenen Erntejahr.
Irgendwann hatte ich das Stück Schwarzwild aus den Augen verloren. Und doch blieb ein Gefühl, dass es vielleicht im Bogen von der anderen Seite zur Kirrung laufen würde.

Gegen halb zwei hatte ich aufgeben. Beruhigt vom Anblick und dem Wissen, dass es auch noch andere Nächte gibt, packte ich leise meine Sache in den Rucksack und glaste vor dem Abbaumen die Flächen rundherum ab. Und genau in diesem Moment trabte das Stück Schwarzwild auf meiner linken Flanke über das Feld in Richtung des Waldes. Keine Chance auf einen Schuss und mit dem festen Entschluss die Abreise dann doch noch zu verschieben, verständigte ich meinen Jagdfreund. Die Wartezeit nutze ich um die Möglichkeiten von beiden Seiten durchzugehen und entschloss auf die geringe Chance zu hoffen, dass er nochmals aus dem Wald zurückkehrt.
Dem war nicht so, aber ein Schwarzwildduo betrat die Feldfläche fast dort, wo das Stück zehn Minuten zuvor eingewechselt war. Und sie gingen tatsächlich ohne Umwege zur Kirrung, die regelmäßig mit wenig Mais, Buchenholzteer und Suhlengold (Erprobung) beschickt wurde. Vorsichtig nähern sich beide Schweine und winden in Richtung des frischpräparierten Malbaumes. Den rührten sie nicht an, sondern verzehrten Maiskorn für Maiskorn und verschaffen mir somit Gelegenheit beide Stück „anzusprechen“. Beides männliche Stücke, eben zu erkennen an der Körperform, der Schwartenfärbung und den Körperteilen, die dem männlichen Schwarzwild vorbehalten ist. Der Rotlichtschein aus meiner Taschenlampe stört die schwarze Gang dabei nicht. Dieses Hilfsmittel ist für Jäger beim „Ansprechen“, nicht jedoch beim Schießvorgang erlaubt.
Nur Filmen traute ich mich nicht, da die Kamera schon tief verpackt im Rucksack lag.

Mein Entschluss fiel auf den kleineren der beiden Frischlingskeiler und als er klar allein im Absehen zu sehen war, stand der Leuchtpunkt bereits im Leben und der Schuss brach.
Im Repetieren sah ich noch den zweiten Kameraden in Richtung der Stelle flüchten, aus der sie zuvor gekommen waren, um danach sofort wieder ins Ziel, den jetzt im Knall liegenden kleinen Frischlingskeiler, zu gehen.

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Einsatz der Berge- und Aufbrechhilfe von www.wildgalgen.de

Nach einiger Zeit baumte ich ab und ging zum erlegten Stück. In Gedanken blieb ich einen Moment beim Stück und barg es dann, um es für die eigentliche Nutzung zu versorgen.
Alles erledigt, kam ich um vier Uhr zu Hause an. Die sechseinhalb Stunden voller Erlebnisse ließen mich schlecht, aber zufrieden einschlafen.

Heute am Dienstag, den 31.März 2015 endet auch mein Jagdjahr mit vielen Erlebnisse, die ich mit Euch in meinen Kurzfilmen und Blogeinträgen geteilt habe. Danke fürs Zusehen und Mitlesen.

Und da heute der Orkan „Niklas“ wütet, geht es morgen ins Revier, um nach Schäden und Neuigkeiten zu sehen.

In diesem Sinne wünsche ich ein kräftiges Waidmannsheil und sage Waidmannsdank.

Euer/ Ihr Dreispross

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Waidmannsheil, sehr schön!
    Rot/Grünlicht nutze ich auch zum ansprechen, ebenfalls die Bergehilfe. Stärkstes Stück das ich damit geborgen habe,war ein Überläuferkeiler, aufgebrochen 66 kg. Ging sehr gut,auch durch dichtes Gestrüpp.
    Schon auf Bleifrei umgestellt, oder musst du nicht?

    Gruß und Waidmannsheil
    Pelle

    1. Waidmannsdank Pelle. Ich werde noch die Restbestände verbrauchen und mich dann für eine Munition entscheiden. Vielleicht RWS Hit oder Evo Green. Gruß und WH

  2. Mit Evo Green habe ich nicht so gute Erfahrungen.
    Wenig Ausschuß, längere Fluchten In 8x57is.
    Werde wohl auf Barnes vor-tx,oder auch Rws Hit gehen! Die Hit sollen ja besser sein,da weniger Rückstände im Lauf, weil kein reines Kupfer,sondern vernickelt. Hast du da Erfahrungen?
    Glaube die Hit ist auch noch nicht in 8x57is verfügbar….
    Waidmannsheil
    Pelle

    1. Das habe ich vor ein paar Tagen schon einmal gehört. Das Evo Green soll sich teilweise derart zerlegen, dass die Splitter bis in das Rückgrat fliegen. Das Hit ist ja noch nicht so lange auf dem Markt. Aber ein Deformationsgeschoß mit weniger Ablagerungspotential, da vernickelt, hört sich doch schon mal interessant an. Mal sehen. Habe ja beide noch nicht geschossen, aber auch keine Lust das Wild als Versuchskaninchen zu missbrauchen, wenn die bisherige Munition hervorragend funktioniert. Der Gesetzgeber hat gewählt und ich werde mich umsehen und entscheiden müssen. Einen Vorteil werde ich sicher haben…mit dem Kaliber 30.06 Sp hat man doch noch ein wenig Leistungsreserve. Gruß und Frohe Ostern.

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